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Eine Frau – Zwei Männer: Eine erstaunliche Beziehung

Ich habe eine Frau kennengelernt, die eine ganz besondere Beziehung pflegt, so interessant, dass ich sie interviewt habe. Was ihre Beziehung so besonders macht ist, dass sie neben ihrem Lebensgefährten auch einen Freund hat. Halboffiziell.

Macht euch einen eigenen Eindruck und lest selbst das Interview, das ich mit Sabine (Name geändert) geführt habe:

Siemia_A: Hallo Sabine, schön, dass du dir für mich Zeit nimmst.
Sabine: Hallo, danke für die Einladung.
Siemia_A: Wenn man hört wie du lebst, ist erst mal alles sehr „normal“.
Sabine: Ja, ich habe schon seit Jahren einen Lebensgefährten, wir haben ein Kind, es sieht sehr „normal“ aus, das gebe ich zu.
Siemia_A: Aber da ist noch mehr, trügt der Schein?
Sabine: (lacht) Jein. Ich habe tatsächlich eine gute Beziehung mit meinem Lebensgefährten, der Schein trügt also nicht. Aber da ist mehr, da hast du schon Recht. Mein Lebensgefährte weiß auch davon, das ist OK für ihn.
Siemia_A: Wie hast du das herausgefunden?
Sabine: Das war Zufall. Ich habe mal in irgendeiner Unterhaltung erwähnt, dass ich ja jetzt an ihn gebunden bin und keine anderen Männer mehr haben werde. Und er sagt: „Dann mach doch!“ Da bin ich hellhörig geworden.
Siemia_A: Hat dich das überrascht?
Sabine: Sehr! Ich kenne meinen Lebensgefährten schon sehr lange, und ich hatte nie das Gefühl, dass er etwas Anderes möchte als eine monogame Beziehung! Ich habe auch nicht sofort ‚Juhu‘ gerufen und gesagt: Ok, dann führen wir jetzt eine offene Beziehung.
Siemia_A: Wie ging es denn weiter?
Sabine: Ich habe erst mal darüber nachgedacht, ob das wirklich eine Option ist, ob ich das wirklich will. Ich wollte nicht kopflos in etwas hereingeraten, was ich später bereue. Ich wollte nicht, dass etwas schiefgeht und die Beziehung zerbricht.
Siemia_A: Ich verstehe. Wie ging es dann weiter?
Sabine: Ich muss ja zugeben, dass es jemanden gab. Es tat mir leid, dass ich vergeben war und ihm nie näher kommen könnte.
Siemia_A: Hattest du kein schlechtes Gewissen, dass dein Lebensgefährte dir nicht reicht?
Sabine: Natürlich habe ich mich immer gefragt, ob ich noch treu bin, aber es ist ja nie etwas passiert. Ehrlich gesagt habe ich schon lange mit mir gehadert, ob diese „Eifersuchtsschiene“ nicht total überholt ist. Jetzt hatte ich die Möglichkeit nochmal alles zu überdenken, quasi neu auszuhandeln. Und dann habe ich es einfach getan!
Siemia_A: Wie?
Sabine: Ich habe recht schnell meinen Freund angeschrieben und ihm erzähl, was mein Lebensgefährte gesagt hatte.
Siemia_A: Wie hat er reagiert?
Sabine: Seine Worte weiß ich immer noch: „Wenn wir da jetzt nichts draus machen, ne?“
Siemia_A: Dann war also alles klar.
Sabine: Naja, ich habe schon noch ein paar Nächte darüber schlafen müssen. Ich habe mir auch Gedanken darüber gemacht was passiert, wenn mein Lebensgefährte auch mal eine andere Frau möchte.
Siemia_A: Wie handhabst du das für dich? Bist du eifersüchtig?
Sabine: Es kam bisher noch nicht vor, aber mittlerweile bin ich mir sicher, dass ich das handhaben kann.
Siemia_A: Dein Mann ist dir immer noch treu? Glaubst du das?
Sabine: Ehrlichkeit ist ein Grundpfeiler bei der Art von Beziehung, daran zweifle ich also nicht. Mal ehrlich, warum sollte er lügen? Mein Lebensgefährte ist halt besonders.
Siemia_A: Hast du dich gefragt, ob er es bereut, dass er dich gewähren lässt?
Sabine: Ich habe ihn gefragt. Aber er sagt, dass er null eifersüchtig sei.
Siemia_A: Hinterfragst du das?
Sabine: Ich habe es oft hinterfragt. Aber mal ehrlich, es läuft seit Jahren parallel. Es funktioniert!
Siemia_A: Ok. Zurück zu deinem Freund. Wie ging das dann los?
Sabine: Mein Freund und ich haben und dann getroffen, ganz ohne Schranken. Der Weg zu diesem Treffen war allerdings eine Hürde.
Siemia_A: Warum eine Hürde?
Sabine: Naja, ich saß im Auto und habe an der Ausfahrt nochmal überlegt: „Wenn du jetzt hier abfährst, wird sich dein ganzes Leben ändern.“
Siemia_A: Aber du bist abgefahren. Dein Leben hat sich geändert.
Sabine: Es ist wirklich nicht einfacher geworden. Ich bin ein unheimlich ehrlicher Mensch. Plötzlich musste ich anfangen zu lügen. Ich bin mit Vollgas in ein Doppelleben geschlittert.
Siemia_A: Ihr haltet das geheim?
Sabine: Die Akzeptanz ist nicht besonders groß. Wir leben in einer Welt, in der es die bürgerliche Familie von Vater, Mutter, Kind gibt. Patchwork, jetzt auch gleichgeschlechtlich, aber Bigamie ist immer noch verboten.
Siemia_A: Fällt dir das Geheimhalten schwer?
Sabine: Ja, sehr. Ich würde gern offen damit umgehen, aber ich weiß nicht, wie meine Mitmenschen reagieren würden. Allein schon, wenn mein Kind größer wird.
Siemia_A: Kennt dein Freund dein Kind?
Sabine: Natürlich. Wir handhaben das aktuell mit einer offiziellen Freundschaft. Ich verheimliche nicht, dass ich bei meinem Freund bin. Ich verheimliche nur, dass wir uns näher sind als Freunde es üblicherweise sind.
Siemia_A: Warum riskierst du es nicht?
Sabine: Ehrlich gesagt ist mir das Risiko zu groß. Es ist gut wie es ist, es hat sich eingespielt. Auch im Hinblick auf mein Kind. Es soll es nicht schwerer haben, weil ich anders bin.
Siemia_A: Darf ich dich etwas Persönliches fragen?
Sabine: Ja, natürlich.
Siemia_A: Ist dein Kind von deinem Lebensgefährten?
Sabine: Natürlich! Er ist die Liebe meines Lebens. Das kann man zum Glück heutzutage eindeutig steuern.
Siemia_A: Was denkst du, ist das ein Konzept, das andere auch leben sollten?
Sabine: Ich habe darüber nachgedacht. Ich denke nicht, dass die Gesellschaft schon reif genug ist. Allgemein ist Eifersucht und Fremdgehen immer noch öffentlich eher geächtet. Die, die es ausleben wollen, tun es wahrscheinlich auch eher geheim.
Siemia_A: Ist Monogamie für dich noch ein Thema?
Sabine: Nein. Ich bin da raus. Auch wenn ich mich immer kontrollieren muss, immer darauf achten muss was ich wem sage, daran habe ich mich gewöhnt. Ich möchte nicht mehr auf die Freiheit verzichten. Und nicht auf meinen Freund. (lacht)
Siemia_A: Ich danke dir, dass du uns einen so tiefen Einblick gewährt hast.
Sabine: Es ist schön, die Geschichte mal anonym öffnen zu können, ich danke dir auch.

So großartig ich es auch finde, dass es Menschen gibt, die ungachtet der widrigen Bedingungen ihren Weg gehen, so traurig bin ich darüber, dass viele ihre Beziehung immer noch verstecken müssen. Ich wünsche Sabine alles erdenklich Gute für ihren weiteren Weg. Demnächst werde ich auch ihren Freund interviewen dürfen und bin schon sehr gespannt auf den Mann an der Seite dieser Frau.

Hast du eine gute Story? Willst du dich öffnen? Lass uns darüber reden! Natürlich absolut anonym und diskret. Schreib mich an. Ich bin für vieles offen!

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3 thoughts on “Eine Frau – Zwei Männer: Eine erstaunliche Beziehung

  1. Hat „Sabine “ mal nachgedacht, ob ihr Partner damit wirklich einverstanden ist oder ihr nur zugestimmt hat, damit er sie nicht verliert, nach außen „den Harten“ gibt und innerlich daran zerbricht?

    1. Hallo Doris,
      Sabine hat ihren Lebensgefährten oft gefragt. Ich gehe davon aus, dass Sabine die Wahrheit sagt: Wenn er wirklich nicht eifersüchtig ist, macht sie ihn nicht unglücklich und sich selbst glücklich. Ich sehe das so: Nur sprechenden Menschen kann geholfen werden.
      Liebe Grüße

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