Lebensqualität

Es ist doch nur ein Zwergwidder, oder?

Am 3. September diesen Jahres, wäre mein kleiner Zwergwidder 8 Jahre alt geworden. Er war also fast ein Jahrzehnt Teil meines Lebens. Zugegeben ein sehr passiver Teil.

Kaninchen machen nicht viel, sie sehen niedlich aus, man beobachtet sie gerne, aber gerade, wenn sie einen Partner haben, dann brauchen sie schlicht und ergreifend den Menschen nur dann, wenn ihnen etwas fehlt oder sie Fressen brauchen.

Das ist okay, so soll es sein. Ich war damit immer zufrieden, denn meine Kaninchen, haben mir doch immer wieder auf ihre Weise gezeigt, dass ich als ihre Besitzerin dennoch einen besonderen Stellenwert einnehme.

Gerade mein Zwergwidder, mein erstes Kaninchen, hat dadurch einen ganz besonderen Stellenwert bei mir eingenommen, hat mir auf seine Weise immer viel Liebe gegeben indem er mich abgeleckt hat, wenn er in meinen Armen war.

Und dann kam der eine Morgen, der Morgen als mich ein Familienmitglied rief und mir sagte „Du, etwas stimmt mit deinem Zwergwidder nicht.“ Sofort rannte ich zu ihm. Er sah aus, als würde er schlafen, so vollkommen friedlich. Ich bekam Panik, reagierte über, suchte das Telefon, gab das auf und holte den Hasen aus dem Käfig. Überprüfte seinen Herzschlag, versuchte ihn zu schütteln, sagte immer wieder seinen Namen und bat darum, dass er sich bewegte, mir ein Zeichen gab. Doch nichts. Aber immer noch wollte die bittere Wahrheit nicht in meinen Kopf. Ich packte meinen Zwergwidder noch in seine Transportbox, schließlich war ja Eile geboten, damit ich mit ihm zum Tierarzt kam.

Und dann saß ich, mit ihm in der Box, auf dem Bett und starrte ihn an, streichelte ihn immer wieder. Dann begriff ich es. Er war nicht mehr da, er würde nie wieder da sein, er war gegangen. Er war zum Glück schnell gegangen, er spielte sogar vorher noch und kippte dann einfach um. Ein guter Kaninchentod, er hat definitiv nicht gelitten.

Doch ich leide, leide als wäre ein Mensch gestorben. Ich weiß, dass jeder Mensch damit anders umgeht, dass jeder Mensch seinem Tier einen anderen Stellenwert gibt. Für die einen ist es ein Nutztier, für die anderen ist es klar, dass das Tier irgendwann sterben muss, für wieder andere ist es ein Familienmitglied und genau das war mein Zwergwidder für mich. Er war ein Teil meiner Familie, selbst jetzt vier Tage später tut mir mein Herz so weh, wie in dem Moment als ich realisierte, dass er nicht mehr da ist. All die schönen Momente, die ich mit ihm hatte sind nun nur noch Erinnerungen.

Ich werde ihn nie wieder schmusen können, nie wieder beobachten können, wie er sich hinter einem Blumentopf versteckt und glaubt nicht gesehen werden zu können. Nie wieder sehen, wie er seine Kaninchendame ableckt und neben ihr schläft, weil er sie braucht. Genauso wenig, werde ich je wieder sehen, wie er versucht seine Schlappohren aufzurichten oder mich böse anstarrt, wenn ihm etwas nicht passt. Irgendwann werden diese Momente schöne Erinnerungen sein, doch im Moment, sorgt jede dieser Erinnerungen dafür, dass ich weinen muss. Weinen muss, weil es wehtut und das, obwohl es doch eigentlich nur ein Kaninchen ist.

Aber ist das nicht der Punkt? Er war nicht nur ein Kaninchen, er war mein Kaninchen, noch dazu mein erstes Kaninchen und ein Teil meiner Familie, er war so selbstverständlich, wie alle Mitglieder im Haushalt und nun ist er nicht mehr dort.

Irgendwann wird es leichter sein, wird es nicht mehr schwer sein, in den Käfig zu schauen oder mit meiner Hasendame zu schmusen. Irgendwann wird es normal sein, dass der Zwergwidder nicht mehr da ist.

Das ist der Kreislauf des Lebens, ob bei Mensch oder Tier. Die Zeit ist immer begrenzt, ein wertvolles Gut. Es ist ein Fehler, sie als selbstverständlich anzusehen. Seit dankbar, um jede Erinnerung, die ihr mit den Menschen und Tieren teilen könnt, die euch am Herzen liegen und vor allem, trauert, wenn es soweit ist.

Lasst es einfach zu, denn es wird wehtun, vor allem, wenn euer Tier ein Familienmitglied war. Ihr dürft weinen, ihr dürft unglücklich sein, denn nur so verarbeitet ihr die Trauer, damit ihr in Zukunft mit einem Lächeln an euer geliebtes Haustier zurückblicken könnt.

Ich werde noch eine Weile brauchen, werde nun viel Zeit mit meiner Hasendame verbringen, denn auch sie ist apathisch und verwirrt, wieso ihr kleiner Hasenmann nicht mehr im Käfig ist, ja wieso sie ganz alleine dort ist. Wir werden es schaffen, gemeinsam, daran glaube ich fest.

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