Blickwinkel

Eltern in den Sommerferien – Organisation extrem

Es hat sich viel geändert für Eltern. Und die Bevölkerung reagiert – die Geburtenrate steigt. Doch es hakt an der Unterstützung, vor allen in den Sommerferien. Sicher, es hört sich toll an: Es gibt Bestrebungen, allen Kindern einen Kindergartenplatz zu ermöglichen, und nach der Schule werden die Kinder in der offenen Ganztagsschule (OGS) betreut. „Supi“, denkt der Unwissende.

Wo hakt es?

Ein Fallbeispiel:
Eine Familie hat zwei Kinder, Tom (8) und Eva (4). Eva hat einen Vollzeitplatz im Kindergarten und Tom geht zur Schule, in den Ferien in die OGS, gleich nebenan. In den Sommerferien haben OGS und Kindergarten drei Wochen zu. Der Haken: Die OGS schließt in den ersten drei Wochen und der Kindergarten in den letztzen drei Wochen der Sommerferien. Fehler im System.

Zweites Fallbeispiel:
Mia, zwei Jahre alt, kommt in den Kindergarten. Der Kindergarten hat in der zweiten Hälfte der Sommerferien Blockschließung. Das Kindergartenjahr beginnt in der dritten Ferienwoche. Sie darf die Tage vor der Blockschliesung schon mal schnuppern. Am ersten Tag findet sie es ganz doof, spielt nicht mit. Am dritten Tag dann, endlich der Durchbruch: Sie lässt Mama links liegen und läuft mit den Kindern mit. Pünktlich am Freitag vor der Blockschließung. Bis der Kindergarten wieder beginnt, wird sie vergessen haben, wie schön es war.

Drittes Fallbeispiel:
Maria ist froh, denn ihre Tochter kommt zur Schule und sie kann wieder arbeiten. Die kleine Sophie sollte nicht zu früh fremdbetreut werden, fand Maria. Maria hat nun Aussicht auf einen Job, halbtags in der Verwaltung. Beginn 8 Uhr. Da Maria Sophie auch in der OGS angemeldet hat, sieht sie kein Problem. Doch die Betreuung der OGS greift erst nach der Schule. De facto kann Maria erst später anfangen, den Beginn hat sie sich anders vorgestellt.

Ein letztes Fallbeispiel:
Elisa ist schon groß, sie kommt bald zur Schule. Der Kindergarten hat in den ersten drei Wochen der Sommerferien frei, doch das Kindergartenjahr beginnt in der dritten Ferienwoche. Sie darf noch nicht in die OGS, da sie noch nicht eingeschult ist. Sie hat also sechs Wochen keine Betreuung. Ihre Einschulung ist in der Woche des Schulbeginns erst am Donnerstag. De facto ist sie also 7 Wochen zu Hause.

In den Sommerferien hakt es besonders

Zum Fall eins: Die Schule schließt immer in der zweiten Ferienhälfte, der Kindergarten alterniert mit seiner Blockschließung. Es sollte selbsverständlich sein, dass Instutionen, die für dieselben Eltern arbeiten sich abstimmen. Nochmal: Arbeiten FÜR die Eltern.

Zu Fall zwei: Ich frage mich: Welchen Sinn hat es, Kinder 4 Tage in den Kindergarten zu schicken und Vorschulkinder früher in die Ferien zu entlassen als den Rest der Gruppe? Dienst nach Vorschrift sagt: Das Kindergartenjahr endet immer im Juli. Der gesunde Menschenverstand sagt: Das Kindergartenjahr endet immer mit dem Beginn der Blockschließung. Da ist Evaluationsbedarf.

Kindergärten, Betreuung der kleinsten der Kleinen bis in den Nachmittag hinein – das alles soll Eltern entlasten. Die Kindergärten und die OGS tun jedoch Dienst nach Vorschrift. Instututionen sollten den Eltern zuarbeiten. Wenn die Schnittstellen nicht greifen und nicht mal Institutionen, die nebeneinander liegen sich absprechen können, baden es die aus, für die das System Entlastung schaffen wollte – die Eltern.

Zu Fall drei: Liebe Arbeitgeber, habt Verständnis, die OGS kann nicht alles leisten, es gibt sicher auch dafür Lösungen.

Zum letzten Fall: Warum so streng? Liebe Kindergärten, manchmal muss man nachjustieren, neue Absprachen treffen. Das bisherige System macht offenkundig keinerlei Sinn.

„Es braucht ein ganzes Dorf“

„Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen.“ Dieses afrikanische Sprichwort bringt es auf den Punkt. Als Einzelkämpfer ist es weder sinnvoll, noch zielführend oder schön Kinder groß zu ziehen. Das fängt bei der Familie an, zieht sich über die Institution bis in die Gesellschaft – unser „Dorf“, wenn man so will. Niemand sollte auf seine Elternrolle allein festgenagelt werden.

 

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2 thoughts on “Eltern in den Sommerferien – Organisation extrem

  1. Es geht noch weiter. Kinder werden immer früher eingeschult. Besuchen sie irgendwann eine weiterführende Schule, sind sie immer noch nicht alt genug, um mehrere Wochen ohne regelmäßige Betreuung allein zu verbringen. Auch die Jugendlichen haben Politiker und Verantwortliche leider viel zu wenig auf dem Radar. Wenn ich dann Sätze von einer Politikerin höre wie: „Mit 12 kann man sich sein Butterbrot selber schmieren“, dann stimmt das zwar, aber Jugendliche brauchen in der Pubertät Unterstützung auf zwischenmenschlicher Basis. Das wird viel zu oft vergessen oder übersehen.

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