Lebensqualität

Tausche Lebenstraum gegen Traumleben

Manchmal beschreitet man Irrwege auf dem Weg zu seinem Lebenstraum. Verläuft sich auf Umwegen. Oder verliert sich in einem Kreisverkehr. Aber selbst aus einer Sackgasse kann ein Weg hinausführen, wenn man den Blickwinkel ändert.

Der Lebenstraum schien perfekt. Ich hatte mir vorgenommen Lehrerin zu werden. Ich wollte lernen, wie ich Kindern helfen kann, ein besserer Mensch zu werden und zu sein. Ich stellte es mir toll vor, Kinder wichtige Kompetenzen zu lehren. Schreiben und vor allem lesen, das Tor zur Welt. Mathematik, das logische Denken und das Werkzeug zu allen Naturwissenschaften. Voller Tatendrang verließ ich die Uni und freute mich auf die Aufgaben, die ich mir vom Leben wünschte und erhoffte.

Daneben war der Beruf perfekt für die Familienplanung. Ich schlug den vermeintlich sicheren Weg ein. Einen Weg, der ein beschauliches Leben versprach. Und irgendwie passte es auch zu mir.

In meinem Referendariat wollte ich meinem Lebenstraum endlich näherkommen. Meine Vorstellung war: Jetzt werde ich zur Lehrerin ausgebildet. Ich schaute also beim Unterricht zu, übernahm kleine Sequenzen und wartete darauf, Lehrerin zu werden. Wartete, dass man mir erklären würde, was wichtig war, konkret oder anhand von Beispielen. Ich schaute genau hin, was im Unterricht geschah und schrieb fleißig mit. Das erste Mal, das ich bemerkte, dass irgendetwas nicht stimmte war, als meine Mentorin mir sagte: „Ich weiß, dass das nicht gut ist, was ich hier mache.“ Ich fragte mich, wie ich es denn lernen sollte, wenn ich absolut kein Beispiel hatte, an dem ich mich orientieren konnte und alles, was ich tat, kritisiert wurde.

Ich fing an meinem Lebenstraum hinterherzurennen.
Ich schrieb Stundenskizzen, die nicht durchschaubar waren.
Ich hielt Stunden, die nicht klappten.
Ich plante Themen, die falsch gewichtet waren.
Ich brauchte zu lange für zu wenig.

Schaffte ich es, eine Verhaltensweise anzupassen, weiter zu entwickeln, fiel eine andere hinten über. Ich steckte ein, und mein Lebenstraum schrumpfte. Ein Gespräch mit meiner Direktorin brachte den Tiefpunkt: „Sind Sie sicher, dass das der richtige Weg für Sie ist und Sie in dem Beruf glücklich werden?“

Das war wie ein Schlag ins Gesicht.

Ich schloss mich in den darauffolgenden Tagen in mein Zimmer ein. Ich hatte für meinen Lebenstraum gekämpft! An der Abendschule mein Abitur nachgeholt. Mit Kind das Studium geschafft. Meine Familie hatte mich unterstützt und in mich investiert. Alle waren stolz darauf, was ich geschafft hatte, dabei fuhr ich nur Kritik ein. Und schaffte es nicht, den Anforderungen gerecht zu werden.

Die folgenden Wochen waren hart. Im Grunde war mir klar, dass mein Lebenstraum bereits in Scherben vor mir lag. Einmal kurz bäumte ich mich nochmal auf, doch im Grunde war das halbherzig.

In den Ferien ging ich in mich. Mit einem gewissen Abstand rekapitulierte ich das vergangene Jahr. Ich ging mit mir selbst hart ins Gericht, versuchte Fehlerquellen zu analysieren. Ich hinterfragte meine Entscheidungen und tastete mich voran, gedanklich immer mehr Abstand nehmend. Dabei beobachtete ich mich und meine Gefühle. Wie ich zwischen Trauer und Manie alternierte.  Je mehr Zeit verstrich, desto klarer wurde mir mein größter Fehler: Ich hatte jemand werden wollen, der ich nicht bin. Ich appellierte an meine Resilienz und beschloss neu durchzustarten. Ich konnte regelrecht beobachten, wie die Erleichterung Oberhand gewann und ich bereit wurde alles hinter mir zu lassen.

Ich konnte mich während dieser Findungsphase niemandem mitteilen, denn ich bin ein Typ, der die Dinge lieber mit sich selbst ausmacht. Als ich alle Beteiligten in Kenntnis setzte. War es ein harter Schlag, doch ich hatte an mich selbst denken müssen. Hinter mir lag ein Jahr, das angefüllt war mit Coaching, Selbstanalyse und Kritik. Jetzt ging es weiter, jetzt konnte ich vorwärts schauen. Auch, wenn es ein alter Spruch ist, so ist doch ein Ende mit Schrecken besser, als ein Schrecken ohne Ende.

Nach einem kurzen Innehalten habe ich mich dann neu orientiert, Augen und Geist geöffnet für neue Einflüsse. Natürlich weiß ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht, ob alles final in einem Traumleben gipfelt. Aber ich werde nicht zulassen, dass ein falscher Lebenstraum meinem Traumleben der Weg versperrt.

Willst du wissen, wie es weiter geht? Ich erzähle auch von den nächsten Schritten im zweiten Teil: Schritt für Schritt zum Lebenstraum.

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3 thoughts on “Tausche Lebenstraum gegen Traumleben

  1. Wenn jemand so sicher ist, dass der gewählte Beruf doch nicht der richtige zu sein scheint, gibt es nur eine Lösung: Sich neu zu orientieren. Eine harte aber notwendige Entscheidung. Ich wünsche dir, dass du deinen persönlichen Weg findest und ihn selbstbewusst gehst.

  2. Ich bin echt schockiert zu lesen, wie hart die letzte Zeit bei dir war und es tut mir leid das ich mich nicht gemeldet habe, aber wie du oben geschrieben hast: das Ref. ist echt kein Zuckerschlecken. Ich hoffe du findes endlich das was dich glücklich macht. Aber eins möchte ich dir sagen: Du wärst sicher eine tolle Lehrerin geworden. Es gibt nur leider sehr viele engstirnige Menschen, die jemanden, der etwas anders macht, nicht akzeptieren können. Ich hoffe du findest den Beruf der dich glücklich macht und vll. schaffen wir es in nächster Zeit auf einen Kaffee.

    LG

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